Was Ostern mit Balkonputzen zu tun hat

Ich habe heute mit meiner Oma telefoniert. In Zeiten von Corona kann ich nur empfehlen die Menschen immer wieder anzurufen, die man gerade nicht besuchen kann. Auch ohne Corona ist es immer eine gute Idee, sich bei den Menschen, die man liebt zu melden und zu fragen, wie es ihnen geht. Genau das habe ich heute gemacht. Auf die Frage wie es ihr geht, hat meine Oma nur „Jaja“ geantwortet. Also habe ich nachgehakt, was das jetzt bedeutet. Sie hat mir erzählt, dass am Ostermontag abends ihr Nachbar bei ihr geklingelt hat und ihren Balkon putzen wollte. Sie war ein bisschen überrumpelt. Es war zwar ausgemacht, dass er irgendwann mal ihren Balkon putzt, aber dass es an einem Feiertag und dann noch nach 19:00 Uhr soweit ist, das kam für sie sehr unerwartet. Meine Oma tendiert dann dazu, ein bisschen ruppig zu reagieren und hat den jungen Mann wieder weggeschickt. Jetzt hat sie die Situation aber belastet und sie hat mir am Telefon erzählt, dass sie sich doof fühlt, weil sie bei ihren Nachbarn wahrscheinlich als die böse Frau dasteht.

Ich habe ihr gesagt, dass ich sie verstehen kann. Ich kann verstehen, dass sie es nicht gut findet, wenn man eine Balkon-Putz-Aktion an einem Feiertag und dann auch noch abends startet. Meine Oma möchte dann ihre Wohnung und den Balkon aufräumen und alles fürs Putzen vorbereiten. Sie war total erleichtert, dass ich sie verstehen konnte. Aber gleichzeitig habe ich ihr auch gesagt, dass ich den jungen Mann verstehen kann. Er meinte es wahrscheinlich nur gut und der Montagabend hat ihm gut in den Zeitplan gepasst.

Ich habe ihr gesagt, wenn sie die Situation belastet soll sie doch bei ihrem Nachbarn klingeln und das klären. Sie kann dem jungen Mann ja sagen, dass sie überrumpelt war und deswegen vielleicht etwas zu ruppig reagiert hat. Sie kann dem jungen Mann danken, dass er ihren Balkon putzen möchte und ihm sagen, dass sie einen Termin vereinbaren können, der beiden passt.

Leider fällt es meiner Oma schwer, solche Situationen zu klären. Sie fühlt sich schlecht, die Geschichte belastet sie, aber sie kann sich auch nicht überwinden einen Schritt auf ihren Nachbarn zuzugehen. Und ihr Nachbar ist wahrscheinlich ein bisschen abgeschreckt von meiner Oma.

Diese Geschichte bewegt mich, weil sie mir zeigt, wie wichtig Ostern ist. Wie wichtig es ist, dass Gott einen Schritt, einen riesengroßen Schritt auf uns zugeht. Vergeben ist nicht immer leicht und es ist oft besonders schwer sich selbst zu vergeben. Diese Geschichte zeigt mir zwei Menschen, die ein persönliches Ostererlebnis brauchen.

Ich wünsche meiner Oma, dass sie Jesus als ihren Freund, Retter und Gott kennenlernt und dadurch Liebe, Vergebung, Geborgenheit und Sicherheit empfängt. Ihrem Nachbar wünsche ich, dass er Jesus als Tröster, Mutmacher und Vergeber begegnet. So würde es beiden vielleicht leichter fallen, aufeinander zuzugehen.

Denn wenn ich erlebe wie Jesus mir am Kreuz begegnet, wie er aus Liebe zu mir stirbt, obwohl ich noch voller Fehler, Verletzungen und Unvergebenheit bin, dann werde ich gepackt von tiefer Liebe und ich erlebe die befreiende Kraft der Vergebung. Dann möchte ich, dass andere auch diese Liebe und Vergebung erfahren. Ich werde ermutigt, einen Schritt auf andere zuzugehen, weil Jesus einen riesengroßen Schritt auf mich zugegangen ist.

Gibt es eine Person in deinem Leben, auf die du einen Schritt zugehen solltest? Ich empfehle dir, erstmal mit deiner Verletzung, deiner Wut, deiner Angst und allen deinen Gefühlen und Gedanken zu Jesus zu gehen. Alles bei ihm abzuladen und über die Situation zu sprechen. Allein das hilft schon oft und nimmt manchmal auch ein bisschen von der Wut, Angst und Verletzung weg. Aber dann trau dich und gehe einen Schritt auf diese Person zu. Jesus geht mit dir, er tröstet dich, er macht dir Mut, er vergibt dir und er wird dir helfen die richtigen Worte zu finden.

Denn Jesus ist nicht nur für dich gestorben, er ist auch wieder auferstanden.

Für dich, aber auch für jeden anderen Menschen.

Salome